Wenn
ich meine Kindheit als glücklich bezeichne, so ist das natürlich
ein ganz und gar subjektives Urteil. Sie erscheint mir jedenfalls –
in meiner Erinnerung - als recht glücklich.
Objektiv
gesehen gab es einen ziemlich chaotischen Start ins Leben, wohl mit
einigen traumatischen Erfahrung und der frühen Scheidung meiner
Eltern. Dies Alles weiß ich aber nur aus zweiter Hand. Meine
frühesten Erinnerungen setzen da ein, wo sich schon alles wieder
beruhigt hatte:
Die Zeit zwischen meinem dritten und siebten Lebensjahr war die glücklichste meines Lebens gewesen.
In jenen Jahren hatte ich – zusammen mit meiner Mutter – bei meinen Großeltern in einer kleinen dörflichen Wohnsiedlung gelebt und mich sehr geborgen und behütet gefühlt. Gleichzeitig gab es jede Menge Spielkameraden und Spielmöglichkeiten. Ich vermisste nichts!
Das Ende meiner glücklichen Kindheit kam dann schnell und überraschend. Meine Mutter hatte erneut geheiratet und verbrachte mit ihrem neuen Lebensgefährten die Flitterwochen in Südfrankreich. Während dieser Zeit, es waren auch gleichzeitig meine ersten großen Schulferien, wurde ich „Onkel Willi“ und „Tante Maria“ untergebracht. Es was so als wollte das Schicksal noch einmal in besonderer Weise das Füllhorn des Glücks über mich ausgießen.
Denn dieses natürliche Landleben in Verbindung mit der liebevollen Art der Verwandten erzeugten bei mir einen Glückszustand, den man vielleicht als „paradiesisch“ bezeichnen könnte. Diese Wochen waren mein ganz persönlicher Paradiesaufenthalt!
Doch dann kam jener Tag, an dem mich meine Mutter und mein neuer Vater mich abholen kamen. Es war für mich wie ein Schock gewesen. Ich hatte die Wirklichkeit außerhalb meines „Paradieses“ komplett vergessen gehabt. Und als der Wagen meines Stiefvaters den Bauernhof verließ und die winkenden, liebgewonnenen Verwandten aus dem Blickfeld gerieten, begann ich zu ahnen, dass ich nie wieder so glücklich sein würde. Und ich sollte Recht behalten! ( aus „Im Banne des Bösen“)
Wäre
es nun besser gewesen, jenes paradiesische Glück nie kennengelernt
zu haben? Hätte man es dann später auch nicht so schmerzlich
vermisst? Nein, ich denke, dass dies eine falsche Betrachtungsweise
wäre. Denn es war jener Stachel im Fleische, der mich immer wieder
neu suchen ließ und am Ende zu einem Glück ganz anderer Art und
Qualität führte. Dazu später noch mehr. Aus dem Paradies verstoßen
wartete erst einmal die raue Wirklichkeit auf mich!
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