Freitag, 11. Juli 2014

Der Skiunfall

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Als Dieter und ich uns an einem Wintermorgen mit unseren Skiern auf den Weg zu einem abschüssigen Feld in unseren näheren Umgebung aufmachten, ahnte ich natürlich nicht, dass dieser Tag zu einem entscheidenden Wendepunkt in meinem Leben werden würde.

   Bis zu diesem Zeitpunkt war mein Leben, sieht man mal von den ersten drei Lebensjahren ab, recht harmonisch und in geordneten Bahnen verlaufen. Ich war 13 Jahre alt und besuchte ein neusprachliches Gymnasium im Nachbarort. Als Klassenbester und auch Klassensprecher genoß ich einen gewissen Respekt, und war ansonsten auch immer für irgendwelche sportlichen Aktivitäten zu habenRein prognostisch deuteten alle Zeichen auf eine weitere positive Entwicklung.

 Als Dieter und ich an dem von uns anvisierten Hügel ankamen, wurden unsere Hoffnungen nicht enttäuscht. Wir fanden eine unberührte, dicke Schneedecke vor und fuhren den Abhang gleich einmal ganz runter. Nach zwei weiteren Abfahrten wurde uns der lange Aufstieg doch etwas mühsam und Dieter schlug vor: "Lass uns doch eine kleine Sprungschanze bauen!" Ich war sofort einverstanden und das Verhängnis nahm seinen Lauf!

Ein kleiner Schneehaufen war schnell festgeklopft und erlaubte etwa 2-3 Metern weite Sprünge. Aber keiner von uns beiden schaffte es am Ende auf den Skier stehenzubleiben. Vielleicht auch, weil wir mit normalen und nicht mit Sprungskiern sprangen. Aber Spaß machte es trotzdem. 

Irgendwann aber sagte Dieter: „Du, mir reicht es! Lass uns mal wieder nach Hause gehen!“ „Gut“ entgegnete ich, „aber einen Sprung mache ich noch! Vielleicht schaffe ich es ja dieses Mal stehenzubleiben.“ Und so nahm ich Anlauf, hob ab … und verlor mitten im Flug den linken Ski. Der Versuch auf einem Ski zu landen ging natürlich komplett schief. Ich stürzte, die Bindung des zweiten Ski öffnete sich nicht und ich spürte augenblicklich einen stechenden Schmerz im rechten Fußgelenk.

Dieter erfasste instinktiv, dass etwas nicht stimmte und eilte herbei: „Was ist los? Hast du dir weh getan?“ Ich nickte und versuchte aufzustehen. Aber ich sackte sofort wieder um. Der Schmerz im rechten Fuß war zu groß. Besorgt blickte besorgt drein und sagte dann: „Warte, ich helfe dir!“ So stand ich dann wenig später auf meinem linken Fuß, gestützt von meinen beiden Skistöcken. „Auf geht`s“, sagte Dieter und packte sich meine beiden Skier auf seine Schulter. Langsam humpelte ich neben ihm her.

Es war ein langer mühsamer Weg bis nach Hause. Aber schließlich ich an meinem Ziel angekommen. Als meine Mutter mir den Skistiefel vom Fuß zog, kam ein dick geschwollener Knöchel zum Vorschein. „Ist vielleicht nur eine Verstauchung. Wollen wir erst mal abwarten“, sagte sie.
   Aber die Schwellung und die Schmerzen ließen nicht nach und so landete ich dann doch beim Unfallarzt. Der blickte nur kurz auf die Röntgenbilder und sagte dann: „Klarer Fall! Der Knöchel ist gesplittert. Sechs Wochen Gips!“Kurz darauf war mein rechtes Bein fast bis zum Knie eingegipst. Nur die Zehen schauten vorne noch heraus.
    Damals Anfang der siebziger Jahren waren die medizinischen Heilmethoden noch nicht so weit entwickelt wie heute. Für mich bedeutete der starre Gipsverband wirklich fast sechs Wochen ununterbrochenes Liegen. Und auch wenn ich in der Zeit über 10 Karl-Maybände durchlas und mir meine Eltern jeden Wunsch erfüllten, war es eine trostlose und traurige Leidenszeit. In der ich auch nur zwei mehr oder weniger kurze Pflichtbesuche zweier Klassenkameraden bekam.
    Vielleicht war dies dann auch mit ein Grund, dass aus dem körperlichen Knacks ein seelischer wurde. Als ich nach sechs Wochen den Gips abbekam und langsam wieder Laufen lernte, war nichts mehr wie zuvor. Ich begann auf einmal die Welt mit anderen Augen zu betrachten.
 


(Fortsetzung folgt)

Nur drei Wimpernschläge vom Tode entfernt




Es war im Alter von fünf Jahren, als ich das erste Mal mit dem Thema Tod konfrontiert wurde. Und dies kam so: Mein Freund Elmar und ich hatten beschlossen, rüber auf die große Wiese zu wechseln. Als wir die Dorfstrasse erreichten blieb ich stehen, da ich von links ein Auto herannahen sah. Erster Wimpernschlag!
   Zu meiner großen Überraschung sah ich Elmar die Fahrbahn betreten. Zweiter Wimpernschlag! Und dann ging alles ganz schnell. Als Elmar das mit hoher Geschwindigkeit herankommende Fahrzeug gewahr wurde, rannte er los. Dritter Wimpernschlag! Gleichzeitig hatte der Fahrer den Wagen schon auf die andere Fahrbahn gelenkt. Der Zusammenprall schien unvermeidlich. In höchster Not schrie ich: “ELMARRR!!!“, woraufhin er abrupt stoppte und wendete. Genau dorthin, wo nun seinerseits der Fahrer vorbeizukommen versuchte.
    Elmar entging um Haaresbreite – und das kann man bildlich nehmen – dem Tode. Der Fahrer „entkam“ mit quietschenden Reifen und noch einmal richtig Vollgas gebend. Für einige Sekunden standen Elmar und ich noch schweigend da. Wir sprachen auch später nicht darüber und ich erzählte den Vorfall auch nicht zuhause.
   Was hatte uns so verstummen lassen? Ich denke, es war das plötzliche instinktive Erkennen, wie schnell alles vorbei sein kann. Ob ich mir damals schon die Frage nach dem Sinn des Lebens gestellt habe? Ob da Jemand geholfen hat? Auf einer unterbewussten Ebene mag dies tatsächlich der Fall gewesen sein. Ich weiß es nicht!?

Ein Tag im Leben kann alles verändern


Es war am Pfingstmontag 2014  gewesen, als ich am frühen Abend hinter dem Kölner Hauptbahnhof draußen im Cafeteriabereich saß und einen Kaffee trank. Der Himmel hatte sich bedenklich zugezogen und es wehte schon ein kräftiger Wind. Aber nichts Beunruhigendes.
    Plötzlich von einer Sekunde auf die nächste spürte ich von hinten eine heftige Windbö und blickte mich um. Im nächsten Moment kam ein großer Sonnenschirm auf mich zu und die Hauptstange fiel knapp neben mir zu Boden. Auf der Terrasse brach Panik aus, ein orkanartiger Sturm hatte eingesetzt und ich flüchtete mit den meisten Anderen ins Cafe.
    In solchen Momenten handelt man mehr oder weniger instinktiv. Aber im Nachhinein habe ich mir schon die Frage gestellt, was passiert wäre, wenn mich die Stange am Kopf getroffen hätte. Möglicherweise wäre dieser Artikel niemals geschrieben worden.
 
Als ich am nächsten Morgen mein Hotel verließ und mich auf den Weg zur Uni machte, war ich etwas missmutig gestimmt. Alles herum erschien mir so profan und bedeutungslos. Plötzlich kam ein Satz in den Sinn: Every day in life can change everything. Überrascht blieb ich stehen und dachte: Ja, das stimmt!
    Wie ein Sonnenstrahl, der durch eine graue Wolkendecke bricht, erhellte dieser Gedanke mein Gemüt. Mag auch manches noch so trostlos und hoffnungslos im Leben erscheinen, gerade heute könnte der Tag sein, der dem Leben eine völlig neue Richtung gibt. Und es muss ja nicht gleich der "Himmel" sein, der einem in Form einer dicken Stange auf den Kopf fällt.