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Als Dieter und ich uns an einem Wintermorgen mit unseren Skiern auf den Weg zu einem abschüssigen Feld in unseren näheren Umgebung aufmachten, ahnte ich natürlich nicht, dass dieser Tag zu einem entscheidenden Wendepunkt in meinem Leben werden würde.
Bis zu diesem Zeitpunkt war mein Leben, sieht man mal von den ersten drei Lebensjahren ab, recht harmonisch und in geordneten Bahnen verlaufen. Ich war 13 Jahre alt und besuchte ein neusprachliches Gymnasium im Nachbarort. Als Klassenbester und auch Klassensprecher genoß ich einen gewissen Respekt, und war ansonsten auch immer für irgendwelche sportlichen Aktivitäten zu haben. Rein prognostisch deuteten alle Zeichen auf eine weitere positive Entwicklung.
Als Dieter und ich an dem von uns anvisierten Hügel ankamen, wurden unsere Hoffnungen nicht enttäuscht. Wir fanden eine unberührte, dicke Schneedecke vor und fuhren den Abhang gleich einmal ganz runter. Nach zwei weiteren Abfahrten wurde uns der lange Aufstieg doch etwas mühsam und Dieter schlug vor: "Lass uns doch eine kleine Sprungschanze bauen!" Ich war sofort einverstanden und das Verhängnis nahm seinen Lauf!
Ein kleiner Schneehaufen war schnell festgeklopft und erlaubte etwa 2-3 Metern weite Sprünge. Aber keiner von uns beiden schaffte es am Ende auf den Skier stehenzubleiben. Vielleicht auch, weil wir mit normalen und nicht mit Sprungskiern sprangen. Aber Spaß machte es trotzdem.
Irgendwann aber sagte Dieter: „Du, mir reicht es! Lass uns mal wieder nach Hause gehen!“ „Gut“ entgegnete ich, „aber einen Sprung mache ich noch! Vielleicht schaffe ich es ja dieses Mal stehenzubleiben.“ Und so nahm ich Anlauf, hob ab … und verlor mitten im Flug den linken Ski. Der Versuch auf einem Ski zu landen ging natürlich komplett schief. Ich stürzte, die Bindung des zweiten Ski öffnete sich nicht und ich spürte augenblicklich einen stechenden Schmerz im rechten Fußgelenk.
Dieter erfasste instinktiv, dass etwas nicht stimmte und eilte herbei: „Was ist los? Hast du dir weh getan?“ Ich nickte und versuchte aufzustehen. Aber ich sackte sofort wieder um. Der Schmerz im rechten Fuß war zu groß. Besorgt blickte besorgt drein und sagte dann: „Warte, ich helfe dir!“ So stand ich dann wenig später auf meinem linken Fuß, gestützt von meinen beiden Skistöcken. „Auf geht`s“, sagte Dieter und packte sich meine beiden Skier auf seine Schulter. Langsam humpelte ich neben ihm her.
Es war ein langer mühsamer Weg bis nach Hause. Aber schließlich ich an meinem Ziel angekommen. Als meine Mutter mir den Skistiefel vom Fuß zog, kam ein dick geschwollener Knöchel zum Vorschein. „Ist vielleicht nur eine Verstauchung. Wollen wir erst mal abwarten“, sagte sie.
Aber die Schwellung und die Schmerzen ließen nicht nach und so landete ich dann doch beim Unfallarzt. Der blickte nur kurz auf die Röntgenbilder und sagte dann: „Klarer Fall! Der Knöchel ist gesplittert. Sechs Wochen Gips!“Kurz darauf war mein rechtes Bein fast bis zum Knie eingegipst. Nur die Zehen schauten vorne noch heraus.
Damals Anfang der siebziger Jahren waren die medizinischen Heilmethoden noch nicht so weit entwickelt wie heute. Für mich bedeutete der starre Gipsverband wirklich fast sechs Wochen ununterbrochenes Liegen. Und auch wenn ich in der Zeit über 10 Karl-Maybände durchlas und mir meine Eltern jeden Wunsch erfüllten, war es eine trostlose und traurige Leidenszeit. In der ich auch nur zwei mehr oder weniger kurze Pflichtbesuche zweier Klassenkameraden bekam.
Vielleicht war dies dann auch mit ein Grund, dass aus dem körperlichen Knacks ein seelischer wurde. Als ich nach sechs Wochen den Gips abbekam und langsam wieder Laufen lernte, war nichts mehr wie zuvor. Ich begann auf einmal die Welt mit anderen Augen zu betrachten.
(Fortsetzung folgt)