Montag, 3. Oktober 2016

Es kommt oft anders, als man denkt!




Durch Gottes Gnade bin ich, was ich bin. (1. Kor. 15,10)

Diese Worte des Paulus könnte man so verstehen, dass er seine Bekehrung ( zum christlichen Glauben) und seine Berufung (zum Apostel) als ein Werk Gottes verstanden hat. Will man der Apostelgeschichte glauben schenken, dann war dies auch tatsächlich der Fall.

Biblisch gesehen sind Bekehrung und Berufung eines Menschen immer ein Werk Gottes. Niemand kann sich da weder bezüglich des einen noch des anderen auf die eigene Schulter klopfen. Die Initiative geht immer von Gott aus, der Mensch kann nur darauf reagieren.

Wenn ich meine eigene  Bekehrungsgeschichte (hier anclicken) betrachte, so lag ihr - aus meiner Sicht - ein völlig eindeutiges Handeln Gottes zugrunde. ... Bis hierher habe ich das Alles schon oft erzählt.

"Und ... wie war das mit deiner Berufungsgeschichte? War das auch eine eindeutige Gnade Gottes?" werde ich gefragt. Ich schweige nachdenklich! Denn der Frager hat einen wunden Punkt berührt.

1988, also drei Jahre nach meiner Bekehrung, hätte ich diese Frage mit einem eindeutigen Ja beantwortet ... war ich auf wirklich unglaubliche und wundersame Weise auf eine Bibelschule (hier anclicken) geführt worden?  Konnte da noch der geringste Zweifel bestehen, dass ich zum vollzeitlichlichen geistlichen Dienst, - als Pastor, Missionar oder Lehrer - berufen war?

Die Dinge haben sich dann in einer Weise entwickelt, wie ich sie niemals - auch nur ansatzweise - vorausgesehen oder - geahnt hätte. Raus aus allen gemeindlichen Zusammenhängen und bürgerlichen Vorstellungen, rein ins Abseits und den Alleingang.

"Was, du lebst ohne Gemeinde? Das ist unbiblisch!" höre ich mein Gegenüber am Bibelstand mit einem leicht empörten Unterton sagen. Ich lächele gequält ... der junge Mann hat Glück ... zehn Jahre zuvor hätte ich ihn noch nach allen Regeln der Kunst zusammengefaltet.  Diese Mal belasse ich es bei einem: "Vielleicht ist Gott ja größer als dein Bibelverständnis ... und macht manchmal auch eine Ausnahme und geht mit einem Menschen einen anderen Weg!"  Ohne ihn natürlich zu überzeugen. 

Fühle ich mich zu einem solchen Alleingang berufen? Vielleicht! Ja, eigentlich schon! Aber was soll das für einen Sinn machen? Es wird schon einen Sinn haben. Vielleicht lernt man in der Einsamkeit besser auf die Stimme Gottes zu hören ...

Heute bin ich sehr vorsichtig geworden bei dem Wort Berufung. Gewiß, es war mir in all den Jahren fast immer - mal mehr mal weniger - ein Bedürfnis gewesen Andere auf den Glauben an Jesus hinzuweisen. Und was da Alles so geschieht, könnte einen schon an eine Berufung glauben lassen. 

Wenn man sich aber zu etwas berufen fühlt, so ist es wichtig, dass man in diesen Dingen treu und achtsam bleibt.  Mit diesem Rat lasse ich es - für heute - dann mal bewenden.